Ich bin zu alt. Zumindest für diese heutige digitale Musik-Welt. Ich bin noch bei meinen Eltern mit Dave Brubeck auf einer Vinyl Platte groß geworden. Habe zu meiner Grundschulzeit meine Musik dank eines Sony TPS-L2 Walkman auf Magnetband dabei gehabt, und später dank Ferienjobs und Bafög eine anständige CD Sammlung angeschafft, die irgendwann auch mal auf einem Mini-Disc Player unterwegs ohne Aussetzer beim Laufen gehört werden konnte.
Dann wurde als Student das Geld doch mal knapper, und es kamen um die Jahrtausendwende Tauschbörsen wie Napster oder Audiogalaxy. Und diese Tauschbörsen haben (abgesehen von den Urheberrechtsverletzungen) die Nutzer echt mit Komfort verwöhnt. Zu der Zeit konnte man einfach ein Programm starten, einen Künstler, ein Album oder einzelnen Song suchen, und in wenigen Minuten hatte man das MP3 auf seiner Festplatte.

Ist natürlich illegal, und die Künstler und Rechteinhaber haben die ganze Zeit gejammert, wie viel Geld denen wegen diesen Tauschbörsen und Raubkopierern durch die Lappen gehen. Viel besser ist es natürlich, dem Kunden die Musik für Geld zu verkaufen, und dann einfach wieder abzunehmen.

Aber erst noch ein wenig Geschichte: Als Napster 1999 das Internet unsicher machte, gab es erst drei Jahre Später mit dem Apple iTunes Music Store einen halbwegs nutzbaren Download Shop, in dem man legal seine Musik kaufen und runterladen konnte. Wenn auch nur für Geräte im Apple Universum, dank DRM und M4A Format, aber dank dem iPod Erfolg war dieser Store der erste massentaugliche Musik Download Store. Etwa ein Jahr später hat Microsoft mit MSN Music auch einen Musik-Shop aufgezogen, der auf Microsofts DRM und Windows Media Audio Audioformat aufgebaut hat. Mit einem Kopierschutz der den Namen „PlaysForSure“ (spielt sicherlich ab) trug, sollten die Konsumenten in Sicherheit gewiegelt werden. Ironischerweise wurden die Lizenz-Server 2008 gerade mal vier Jahre später abgeschaltet. Der Zune Musikplayer, der als iPod Konkurrent in den Ring geschickt wurde konnte mit der geschützten Musik von gestern „ganz sicher“ nichts mehr anfangen, und wenn man seinen PC neu installiert hatte, waren die ganzen gekauften Songs futsch, da der neue PC dank abgeschalteter Lizenzserver die Musik nicht mehr entschlüsseln konnte. „Plays for sure“ eben.

Die MP3s, die man sich damals vor acht Jahren via Napster und Co. illegal geladen hat, spielten weiterhin auf PC, iPod, Zune, oder so ziemlich jeden anderen beliebigen MP3 Player, die wie Pilze aus dem Boden geschossen sind.

Erst 2009 wurde der Kopierschutz im Apple iTunes Music Store Stück für Stück abgeschafft.

In dieser Zeit kamen auch andere Musik-Download-Shops auf die Idee ihre Musik einfach als MP3 anzubieten. Egal ob Amazon, Zune Music, iTunes, Musicload oder wie sie alle heißen mögen, plötzlich funktionierte alles mit allem. Irgendwie. Ähnlich wie die illegalen Napster MP3s, die seit fast 10 Jahren ohne Murren auf jedem Rechner anstandslos funktionieren.

Dank juristischer Probleme und Abmahnungen, sowie immer schlechter werdender Qualität in den Downloadbörsen wurden die Tauschbörsen irgendwann weniger attraktiv als die etablierten Musik Shops. Musik Flatrates bieten für (vergleichsweise) kleines Geld einen riesigen Musikkatalog in guter Qualität, und ohne dass man in der Tauschbörse statt dem vermeintlichen Lieblingsalbum die umbenannten DJ-Mixe eines Garagen-Plattendrehers untergejubelt bekommt.

Zwischenzeitlich gab es bei Microsoft dann den Zune Music Store, der seit 2015 mit dem Bauch nach oben durch’s Daten-Nirvana treibt. Xbox Music wurde dann in Groove Music umbenannt, und Microsoft versucht mit der „Cloud first, Mobile first“ Strategie den Anwendern das Geld aus der Tasche zu ziehen Mehrwert durch Abonnement Dienste zu bieten.

Die Cloud wird als das Allheilmittel für alles genommen. Bilder vom Handy landen auf OneDrive, iCloud oder Google Photos und sind sicher, wenn das Handy mal ins Klo purzelt oder unsanft mit dem Betonboden Bekanntschaft macht. Teams arbeiten mit Dropbox und anderen Cloud Sharing Diensten effizienter.

Und die Musik? Einmal gekauft darf man seine Musik aus iTunes, Google Music, Amazon oder Groove Music immer wieder anhören und runterladen.

Schön wär’s.

Irgendwann vor 2015 (genaue Details gibt es nicht, da Microsoft ihre Abrechnungsplattform bei https://commerce.microsoft.com re-designed hat) habe ich mir bei Xbox Music 3 Songs gekauft. Einfach weil ich die Lieder sofort haben wollte, und weil einige so obskur waren, dass ich die nicht in den CD-Läden in meiner ländlichen Umgebung hätte finden können.

Diese Lieder werden mir brav in der Groove Music App von all meinen Geräten gezeigt. Sei es die Xbox, mein Surface Tablet, mein Windows Phone oder meine Desktop PCs.

Will ich diese aber abspielen, werden mir kryptische Fehlercodes a la 0xC101A3FF um die Ohren gehauen.

Also suche ich Rat beim Microsoft Support:

Groove Music Support Chat

LIzenzinhaber können mir bei Groove Music einfach meine Musik wegnehmen.

Von der Xbox Konsole war ich es gewohnt: Ich kaufe ein Spiel, und wenn ich keinen Platz auf meiner Konsole habe, lösche ich das Spiel. Ich kann es ja problemlos wieder runterladen. Da das Spiel mit meinem Gamertag Account verknüpft ist, bietet mir der Xbox Marketplace das Spiel sogar kostenlos an. Ich habe es ja gekauft.

Auch Spiele, die aus dem Store entfernt wurden, weil der Publisher bankrott ging, oder weil man keine Rechte mehr an Fahrzeugen hat.

Nun, wie es scheint, hat Disney Music entschlossen, mein damals gekauftes Tron Legacy Album durch ein anderes zu ersetzen. Den Song „Derezzed“ könnte ich mir also nochmal kaufen, wenn ich wollte. Will ich aber nicht, weil ich bereits Geld dafür ausgegeben habe.

Zumindest hier bekomme ich den Hinweis im Klartext, dass der Rechteinhaber den Titel entfernt hat.

Nicht nett von dem Rechteinhaber.

Ebenso habe ich mir von der Band „1200 Micrograms“ zwei Songs gekauft. Will ich diese anhören, bittet mich Groove Music diese bitte herunter zu laden, da der Künstler das Streaming verbietet.

Fair genug. Also lade ich die Songs runter. Oder besser gesagt: Ich würde gerne. Der sehr aussagekräftige Fehlercode 0xC101A3FF verhindert den Download.

Disney Music und TIP Records haben also nun von mir knapp 4 Euro, ich aber keine Musik mehr von denen.

In den ganzen Argumentationen zwischen Plattenlabels und „Raubkopierern“ war immer von Diebstahl die Rede. Die Raubkopierer würden die Lieder stehlen.

Die Songs die in den Tauschbörsen rumwuseln hindern die Studios aber nicht, diese Songs weiterhin zu verkaufen. Die Songs sind immer noch bei den Plattenlabels, und die Plattenlabels generieren immer noch Umsatz mit den „gestohlenen“ Songs.

Ich habe aber Disney Music und TIP Records mein Geld gegeben. Ich kann von diesem Geld was in deren Geldbeutel ist, nichts mehr kaufen.

Und meine Songs sind auch weg. Ich kann diese nicht mehr abspielen.

Erkläre ich Universal Music meinen Frust, wird mir erklärt, dass Groove Music ein Abo-Dienst ist, bei dem es völlig normal ist, dass Musik mal verschwindet. Es kommt ja jeden Monat neue Musik dazu. Das ist schön für Leute, die sich auf ein Abo-Modell einlassen und auf „Wegwerf“-Musik stehen.

Ich habe aber nun mal gerne meine Lieblingslieder ständig mal wieder in den Ohren, weshalb ich die Songs auch gekauft habe.

Dann kaufe ich meine Musik eben nochmal wie früher im CD-Laden oder besser noch via ebay, rippe die CD auf meinen Computer und verkaufe die CD weiter. So sieht die Musikindustrie mein Geld eben nicht mehr, ohne dass ich mich wie bei den Download Tauschbörsen strafbar mache.

Für mich eine Win-Win Strategie.